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Mehr als ein Spiel – Beauftragter hält Mitmach-Projekt Kinderstadt wichtig für Demokratie-Bildung

Die Sommerferien in Sachsen-Anhalt sind auch immer die Zeit der Mitmach-Projekte „Kinderstadt“.

Das Prinzip: Mädchen und Jungen – meist im Alter von 8 bis 14 Jahren - entscheiden selbst, was in ihrer Stadt passiert – ob es etwa ein Rathaus gibt, eine Zeitung erscheint oder aber eine Müllabfuhr und ein Krankenhaus arbeiten. Im Laufe der zumeist zwei Projektwochen entwickelt sich auf dem Kinderstadt-Gelände ein buntes Treiben. Handwerksbetriebe gründen sich ebenso wie Dienstleistungsunternehmen oder Kultur- und Medienangebote. Ein wesentliches Herzstück jeder Kinderstadt ist die Finanzbank. Denn jede gewerbliche oder behördliche Tätigkeit wird entlohnt. Mit dem Geld können Speisen, Blumen, Schmuck und diverse Dienstleistungen erworben werden. Erwachsene haben in der Regel keinen Zutritt zum Kinderstadt-Areal.

Der Kinder- und Jugendbeauftragte des Landes, Holger Paech, sieht in Kinderstadt-Projekten ein „willkommenes und wichtiges Angebot“, um soziale Kompetenzen von Kindern zu entwickeln und zu stärken. Paech ermutigte am Dienstag bei einem Besuch der Kinderstadt „OTTOPIA“ in Magdeburg Mädchen und Jungen, selbstbewusst ihre Interessen zu artikulieren: „Ihr wisst am besten, was gut für Euch ist. Ihr habt ein sicheres Gespür dafür, was fair ist und auch Anderen guttut.“

Zugleich verwies Paech darauf, dass das Land der frühzeitigen Beteiligung von jungen Menschen eine sehr große Bedeutung beimesse. „Damit stärken wir unsere Demokratie.“ Das Sozialministerium fördere derartige Beteiligungsprojekte in der Kinder- und Jugendarbeit, die Arbeit der Jugendverbände und Jugendsozialarbeit sowie den erzieherischen Kinder- und Jugendschutz allein in diesem Jahr mit rund 6,26 Millionen Euro.

Der Beauftragte betonte: „In der Kinderstadt geschieht alles spielerisch. Und doch ist es mehr als ein Spiel. Die Kinderstadt ist ein aktiver Beitrag zur Kräftigung unserer Gesellschaft. Wenn Kinder beizeiten aktiv beteiligt werden, lernen sie frühzeitig Argumente für und wider abzuwägen, Kompromisse auszuhandeln, Verantwortung für Andere zu übernehmen und Absprachen verbindlich einzulösen. Beteiligung macht Kinder stark – auch gegenüber Ungerechtigkeit, Egoismus, Manipulation, Hetze und Ausgrenzung.“

Die Europäische Kinderstadt „Ottopia“ in Magdeburg war am 3. August gestartet und öffnet seine Tore noch bis zum 14. August. Täglich werden etwa 350 bis 400 Kinder begrüßt. Die ehrenamtlichen zumeist jugendlichen Betreuerinnen und Betreuer kommen aus Deutschland, Polen, Frankreich und anderen europäischen Ländern. Haupt-Projektträger ist die Europäische Jugendbildungsstätte Magdeburg beim Bildungsnetzwerk Magdeburg gGmbH, unterstützt vom Europäischen Jugend-Kompetenz-Zentrum Sachsen-Anhalt „GOEUROPE!“. Gefördert wird „Ottopia“ maßgeblich vom Sozialministerium des Landes Sachsen-Anhalt und der Landeshauptstadt Magdeburg mit je 30.000 Euro sowie 40.000 Euro aus Toto-Lotto-Geldern. Zugleich steuert der Projektträger mit Eigenleistungen und eingeworbenen Spenden einen nicht unerheblichen Teil zur Gesamtfinanzierung bei.

Weitere Kinderstadt-Projekte mit bis zu 400 Teilnehmenden pro Tag gab es in den Sommerferien unter anderem in der Welterbestadt Quedlinburg im Harz (21. bis 24. Juli 2026), sowie in Aschersleben im Salzlandkreis (20. bis 24. Juli 2026). Auch in der Kreisstadt Bernburg gab es eine Kinderstadt, initiiert von der Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis Bernburg. Unter dem Titel „Kinderstadt Bärenhausen – Bunt wie ein Regenbogen“ waren Mädchen und Jungen im Zeitraum vom 8. Juli bis 16. Juli 2026 auf das Gelände der Stiftung Evangelische Jugendhilfe St. Johannis eingeladen. Im kommenden Jahr soll es wieder eine Kinderstadt in Halle (Saale) geben. Magdeburg und Halle wechseln sich bei der Durchführung des Mitmach-Projektes ab.